Der Garten im viktorianischen Stil

Viktorianischer Garten heute

Der Ort: Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland. Die Zeit: Ende des 19. Jahrhunderts. Herrschaftliche Bauten mit unzähligen, hölzernen Schmuckelementen. Genussvolles Lustwandeln in den akribisch gepflegten Schaugärten. Reichtum, soweit das Auge reicht.

Das viktorianische Zeitalter war gekennzeichnet durch eine filigrane Schönheit. Seinen Namen erhielt es nach der damaligen britischen Regentin, Königin Viktoria. Die Architektur der Epoche orientierte sich an älteren Stilrichtungen wie der Romantik, Gotik oder der Renaissance und verknüpfte gekonnt verspielte Ornamente mit klaren Formen. Auch Elemente der chinesischen Formensprache fanden sich in den viktorianischen Bauten wieder. In der Gartenkunst offenbarte sich die damalige Begeisterung für einen großen Artenreichtum, der gezielt und kontrolliert in geometrische Strukturen eingepflegt wurde.

Wie Sie Ihren Garten in ein nostalgisches Paradies mit einem Hauch Luxus und Dekadenz verwandeln, möchten wir Ihnen anhand einiger typischer Elemente zeigen. Wir beginnen mit dem Innenbereich, bevor wir den Schritt nach draußen setzen. Dekorieren Sie Ihre Grünfläche mit klassischen und edlen Accessoires und setzen Sie gezielt die Pflanzenvielfalt ein!

Symmetrische Architektur im viktorianischen Wintergarten

Gewächshaus im viktorianischen StilHeute findet man den klassisch-eleganten Stil der viktorianischen Epoche vor allem in Form von Wintergärten. Die gläsernen Ergänzungsbauten mit ihren Zierprofilen und kunstvollen Ornamentfräsungen dienten damals weniger der Dekoration als vielmehr dem Schutz empfindlicher Pflanzen, die die niedrigen Temperaturen des europäischen Winters nicht gewohnt waren. Mit der Zeit entwickelte sich dieser begrünte Bereich zu einem Teil des Wohnraumes. Auch heute lässt es sich wunderbar in dem lichtdurchfluteten Anbau aus Holz und Glas leben. Orangerie- und Pavillon-Wintergärten, deren profilierte Gesimse die sonst klar strukturierten Bauformen durch gezielte Akzente auflockerten, erlauben durch ihre verglasten Kuppeln den freien Blick in den Himmel. Das ganze Jahr hindurch dient der Wintergarten so als überdachtes Zimmer im Grünen. Für genügend Privatsphäre sorgt bei Bedarf ein Sichtschutz, etwa in Form eines Rollos. Kombiniert mit einem modernen Interieur ergibt sich hierbei ein reizvoller Kontrast aus klassischer Außenfassade und zeitgemäßem Innenleben.

Ornamente und verspielte Formenvielfalt

Funktionelle Einrichtungsgegenstände erhielten im Viktorianismus durch romantisch geschwungene Formen ihren besonderen Charme. Mit schmiedeeisernen Stühlen und Bänken im Antik-Look – gerne auch mit Patina – setzen Sie ähnliche Blickpunkte in Ihrem Garten. Als witterungsbeständige und vor allem leichte Alternative können Freunde des nostalgischen Stils auch auf Metallmöbel aus Aluminium-Guss zurückgreifen. Die floralen Ornamente lassen den romantischen Ethos der viktorianischen Epoche wieder aufleben. Auch hölzerne Möbel eignen sich wunderbar zur Gestaltung des romantischen Gartens. Kleine Makel wie abgeplatzte Farbe sorgen für den klassischen Vintage-Touch. Achten Sie bei der Zusammenstellung jedoch auf eine einheitliche Sitzgarnitur, die zwar gebraucht, aber nicht zusammengewürfelt aussehen darf.

Sonnenliege im viktorianischen StilGanz gleich, ob hölzern oder eisern: Ihre Sitzecke platzieren Sie am besten an einem schattigen Platz, vorzugsweise unter einem Pflanzendach. Eine Sitzbank mit Rankhilfe, an der Clematis oder Rosen hochklettern können, kann hier Abhilfe schaffen. Weitere Gestaltungselemente sind Statuen, die besondere Orte im Garten betonen und zum Verweilen einladen. Wie Sie Skulpturen wirkungsvoll in Ihrem Garten in Szene setzen, erfahren Sie in unserem Beitrag Der Garten als Kunstgalerie.

Streng geordnete Pflanzenwelt

Der Geist der viktorianischen Epoche zeigte sich auch deutlich in der damaligen Gartenkunst. Die Eroberung der Elemente und Pflanzenwelt verdeutlichte sich in streng geordneten, symmetrischen Beetformen. Eine einheitliche Wuchshöhe wurde ebenso angestrebt. Zu der Zeit herrschte eine wahre Sammelleidenschaft für Pflanzen, sodass Gewächse aus allen Teilen der Erde in äußerst farbenfrohen Gärten zusammengetragen wurden. Auch wenn die Vielfalt der Pflanzen sehr breit war, so schmückten bestimmte Arten häufiger als andere die viktorianischen Gärten. So können Sie Ihrer Gartenwelt beispielsweise mit Lilien, Magnolien, Begonien, Rittersporn, Narzissen und Zinnien nostalgischen Charme verleihen. Greifen Sie zu Blühpflanzen, deren Blüten in einem Strauß Tische oder Ihren Wohnbereich schmücken können. Auch Flieder, Tulpen, Astern, Lavendel, Hortensien und Rosenbüsche gehörten zu den bevorzugten Gewächsen. Für eine sehr klassische Variante bepflanzen Sie ein rundes Beet mit bunten Spinnenblumen, in deren Mitte sich ein Wunderbaum befindet.

Besonders exotische Pflanzen konnten in botanischen Gärten arrangiert und verschiedene Gehölze in sogenannten Arboreta ausgestellt werden. Die Ansammlung diente – wie auch heute in botanischen Gärten – zu Besichtigungs- und Forschungszwecken, aber natürlich auch als schmückendes Statuselement. Die Ausgestaltung der Anlage in klaren Strukturen entsprach dem damaligen Ideal der Gartenkunst. Weniger ansehnliche Bereiche des Gartens wurden kunstvoll hinter Sträuchern oder Kletterpflanzen versteckt. Ähnliche Effekte erzielen Sie mit Winden, Glyzinien und Clematis. Da eine strikte und detailliert gesetzte Anordnung einzelner Farbakzente die viktorianische Gartenkunst prägten und häufig exotische Pflanzen verwendet wurden, verlangten – und verlangen – die Gärten eine intensive und regelmäßige Pflege.

Dennoch, auch mit kleinen Veränderungen und weniger anspruchsvollen Pflanzen lässt sich ein romantischer Garten im viktorianischen Stil gestalten. Wir wünschen Viel Spaß beim Lustwandeln.

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Bild 2: © Udo Kroener - Fotolia.com
Bild 3: © Sonnenliege aus Alu-Guss - gartenmoebel.de