{"id":338,"date":"2014-04-04T14:14:37","date_gmt":"2014-04-04T14:14:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.gartenmoebel.de\/?p=338"},"modified":"2021-02-16T13:08:13","modified_gmt":"2021-02-16T13:08:13","slug":"community-gardens-urbanes-gaertnern-mit-gemeinschaftssinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.gartenmoebel.de\/community-gardens-urbanes-gaertnern-mit-gemeinschaftssinn\/","title":{"rendered":"Community Gardens \u2013 Urbanes G\u00e4rtnern mit Gemeinschaftssinn"},"content":{"rendered":"<p>Alles Handarbeit, total analog. Die Erde vom Umgraben klebt noch an den Fingern, die Brombeerzweige pieken, und die Schere war auch schon sch\u00e4rfer. Den anderen geht es auch nicht besser. Aber sie hacken, graben und s\u00e4en mit einer ungeahnten Leidenschaft. Links setzt Manuela aus M\u00fcnchen junge Tomaten-Pflanzen ein, rechts legt Paolo aus Verona Kartoffel-Knollen in die vorbereiteten L\u00f6cher, schnurgerade, immer mit ausreichend Abstand. Auf dem Gem\u00fcsebeet hockt der Rostocker Klaus, er pflanzt gerade Erbsen ein. Etwas weiter l\u00e4dt Dawid, geb\u00fcrtig aus Warschau, Kompost auf eine alte Schubkarre. Auf all den kleinen Beeten und Parzellen herrscht betriebsame Hektik. Der Fr\u00fchling hat gerade angefangen, der Garten soll rechtzeitig bestellt sein.<\/p>\n<p>Dies ist weder eine Kleingarten-Kolonie irgendwo an der Peripherie einer deutschen Stadt, noch sind Manuela, Paolo, Klaus oder Dawid Menschen, die ihrer Landlust in der tiefsten Provinz fr\u00f6nen. Sie alle sind moderne Gro\u00dfst\u00e4dter. Vor dem Arbeitseinsatz wurde noch schnell der Status auf Facebook aktualisiert und die Pflanzanleitung auf das Tablet runtergeladen. Anstelle einer einsamen Datscha oder einer Kleingarten-Parzelle haben sie sich daf\u00fcr entschieden, <strong>zusammen mit anderen Leuten aus der Nachbarschaft einen Garten zu betreiben<\/strong>. Neben Einzelbeeten f\u00fcr den Eigenbedarf gibt es auch Gemeinschaftsbeete, von denen alle etwas ernten d\u00fcrfen. Die vier jungen Gro\u00dfst\u00e4dter sowie die \u00fcbrigen Mitstreiter teilen die Idee, dass es sch\u00f6ner ist, einen Garten gemeinsam, nachhaltig und \u00f6kologisch zu bewirtschaften, und \u00fcber das g\u00e4rtnerische Fachsimpeln auch pers\u00f6nlich Wurzeln in der Stadt zu schlagen.<\/p>\n<h2>Eine weltweite Idee nimmt in New York ihren Anfang<\/h2>\n<p>Ihren Anfang nahmen Community Gardens in den USA. In den 70er Jahren begannen New Yorker, Brachfl\u00e4chen in ihrer Nachbarschaft von M\u00fcll oder Schutt zu befreien. Auf den Arealen pflanzten sie <strong>Gem\u00fcse und kleine Obststauden<\/strong>, lie\u00dfen Blumen wachsen. Wer etwas ernten wollte, musste zuvor beim S\u00e4en und der Pflege helfen. Diese G\u00e4rten waren nicht frei von Risiko. Denn sobald der Eigent\u00fcmer beschloss, die Freifl\u00e4che wieder zu bebauen, musste der Garten in der Regel verschwinden. Doch die Idee war attraktiv, weitere Gemeinschaftsg\u00e4rten im ganzen Stadtgebiet folgten. Der bekannteste unter diesen, der Clinton Community Garden in Manhattan, wurde bereits 1984 zu \u00f6ffentlichem Parkgel\u00e4nde erkl\u00e4rt. Auch in anderen US-Bundesstaaten begannen Einwohner, fr\u00fchere Schutthalden, Hinterh\u00f6fe und stillgelegte Parkh\u00e4user zu begr\u00fcnen und als Garten zu nutzen.<\/p>\n<p>Die Menschen, die heute die Gemeinschaftsg\u00e4rten weltweit mit Leben f\u00fcllen, sind so bunt gemischt wie die kultivierten Pflanzensorten. Manch einer sch\u00e4tzt die M\u00f6glichkeit, sich mit <strong>frischen, \u00f6kologisch aufgezogenen Lebensmitteln<\/strong> zu versorgen. Anderen geht es darum, nach einem Tag vor dem B\u00fcro-Computer selber etwas mit den H\u00e4nden herzustellen. Wie stark der politische Aspekt eine Rolle spielt, h\u00e4ngt von den jeweiligen Organisatoren ab. Die einen sehen sich vor allem als ressourcenschonenden Beitrag f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit, die anderen begreifen sich als Avantgarde innerhalb einer \u201ePostwachstums\u00f6konomie\u201c (Niko Paech) und wollen das gesellschaftliche Selbstversorgungspotenzial aufzeigen.<\/p>\n<p>Doch wie man es auch dreht und wendet, mit den Gemeinschaftsg\u00e4rten kommt mehr Gr\u00fcn in graue St\u00e4dte und ein bisschen <strong>mehr \u00f6kologisches Bewusstsein in fast-food-gepr\u00e4gte K\u00f6pfe<\/strong>. Und mehr analoger Spa\u00df in digitale Lebenswelten: wenn man die Fr\u00fcchte der eigenen Arbeit genie\u00dfen kann, nachdem man sich wochenlang mit erdverschmierten H\u00e4nde durch die Beete gew\u00fchlt hat.<\/p>\n<h2>So legen Sie einen Gemeinschaftsgarten an<\/h2>\n<p>Allem Anfang wohnt ein Zauber inne? Unbedingt. Im Community Garden steckt aber schon vor dem ersten Spatenstich handfeste Arbeit. Die folgenden sechs Schritte erleichtern den Weg zum bl\u00fchenden Gemeinschaftsgarten. Die Anleitung wurde inspiriert von einer Checkliste der US-amerikanischen Initiative f\u00fcr ein ges\u00fcnderes Leben <em>Let\u2019s Move<\/em>.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><strong>Schritt 1: Die Nachbarschaft begeistern<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Interessierte Leute aus der Nachbarschaft zusammenzubringen, zeigt nicht nur das Potenzial, sondern auch die Bed\u00fcrfnislage f\u00fcr einen Gemeinschaftsgarten an. In einer Gespr\u00e4chsrunde lassen sich die Anwohner f\u00fcr die Idee begeistern, aber auch praktische Fragen k\u00f6nnen gekl\u00e4rt werden: Welchen Zwecken soll der Community Garden dienen, was wollen die Leute mit ihm erreichen? Auf dieses Momentum kann man aufbauen und einen Plan zur Umsetzung erstellen. Festgelegt werden sollte auch das Konzept: Soll der Community Garden geschlossen sein, d.h. nur wer die Saison \u00fcber mithilft, darf auch ernten? Oder will man ihn f\u00fcr alle Interessierten \u00f6ffnen, auch wenn sie sich nur wenig engagieren?<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><strong>Schritt 2: Unterst\u00fctzung finden<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Partner zu finden, ist hilfreich bei der Umsetzung. Aufgaben lassen sich verteilen, manch einer hat auch gen\u00fcgend Einfluss, um ben\u00f6tigtes Material, Geld, Freiwillige oder Technik zu besorgen. Das Internet ist voll mit Anleitungsvideos und Do-It-Yourself-Ratgebern, um schnell loszulegen, auch wenn man vom G\u00e4rtnern bislang noch nicht viel Ahnung hatte. Manchmal ist es aber effektiver, sich an einen Experten wenden zu k\u00f6nnen, der sich mit den Feinheiten des Gartenbaus auskennt. Angesichts leerer Kassen sind mittlerweile auch viele Kommunen daran interessiert, dass st\u00e4dtische Freifl\u00e4chen von Gemeinschaftsg\u00e4rten genutzt werden. Ansprechpartner sind hier die kommunale Verwaltung und die Abteilungen, die f\u00fcr Stadtentwicklung zust\u00e4ndig sind.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><strong>Schritt 3: Eine Fl\u00e4che ausw\u00e4hlen<\/strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"Gem\u00fcsebeet im Community Garten\" src=\"https:\/\/blog.gartenmoebel.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/community-garten-beet.jpg\" alt=\"Gem\u00fcsebeet eines Community Garten\" width=\"324\" height=\"432\" \/><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Ziele von Community Gardens sind ganz unterschiedlich, demzufolge auch die ben\u00f6tigten Fl\u00e4chen. Wer vor allem Obst und Gem\u00fcse kultivieren m\u00f6chte, braucht ein Areal mit mindestens sechs Stunden direktem Sonnenlicht und Zugang zu frischem Wasser. Wenn auf der Gr\u00fcnfl\u00e4che vor allem Kinder sicher spielen sollen, braucht man zumindest ein wenig Abgeschiedenheit vom Verkehr. Hat man den idealen Platz gefunden, muss man den Eigent\u00fcmer ausfindig machen. Ist er f\u00fcr die Idee eines Gemeinschaftsgartens offen, k\u00f6nnen Sie mit ihm aushandeln, wie die Nutzung vertraglich gestaltet werden kann.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><strong>Schritt 4: Die Bodenqualit\u00e4t \u00fcberpr\u00fcfen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bevor Sie loslegen, sollten Sie unbedingt die Bodenqualit\u00e4t von einem Sachverst\u00e4ndigen oder einem Spezial-Labor \u00fcberpr\u00fcfen lassen. Nur so k\u00f6nnen eventuelle Kontaminationen durch Schadstoffe bzw. Altlasten festgestellt werden. Auch l\u00e4sst sich so feststellen, welche N\u00e4hrstoffe in zu geringen Mengen vorhanden sind und welche Pflanzen sich auf dem Areal mit wenig oder viel Aufwand anbauen lassen.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><strong>Schritt 5: Den Garten planen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Je nach Gr\u00f6\u00dfe, Lage und Ausrichtung unterscheiden sich Gemeinschaftsg\u00e4rten erheblich. Bei der Gestaltung sollten Sie darauf achten, dass er genau f\u00fcr Ihre Zwecke geeignet ist. Entspricht er den verschiedenen Altersstufen der Mitglieder? Ist er gut f\u00fcr alle erreichbar? Ist der Garten gut gegen Tiere und Vandalismus gesch\u00fctzt? Gibt es eine Grundausstattung an Gartenger\u00e4ten? Gemeinsame Aktivit\u00e4ten abseits der Beete erfordern ebenfalls Raum und Ausr\u00fcstung. Campingm\u00f6bel sind dabei besonders praktisch: leicht, handlich und schnell verstaubar.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><strong>Schritt 6: Den Garten wachsen lassen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn Obst und Gem\u00fcse im Garten gedeihen, ist es auch an der Zeit, den Community Garden in der Nachbarschaft bekannter zu machen. Gr\u00f6\u00dfere Unterst\u00fctzung gewinnen Sie durch F\u00fchrungen und Aush\u00e4nge, in denen Sie die \u00fcbrigen Anwohner dar\u00fcber informieren, wie auch sie vom Gemeinschaftsgarten profitieren k\u00f6nnen. Auf Kiezfesten k\u00f6nnen Obst und Gem\u00fcse bzw. selbstgemachte Produkte wie Marmelade und Chutneys angeboten werden. Zudem sollten Sie das Konzept regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberpr\u00fcfen und Feedback von Mitwirkenden und Nachbarn ber\u00fccksichtigen. Auch eine langfristige Orientierung im Voraus ist hilfreich, damit der Community Garden \u00fcber Jahre hinweg aufbl\u00fchen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00e4rtnern mitten in der Stadt liegt voll im Trend. Und verbindet. Gemeinschaftsg\u00e4rten bringen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Die Idee stammt aus New York, mittlerweile ist der Trend auch hierzulande angekommen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":387,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-garten-news-trends"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.3 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Community Gardens \u2013 Gemeinsames G\u00e4rtnern in der Stadt<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Gemeinschaftsg\u00e4rten bringen gesundes Obst und Gem\u00fcse auf den Teller, aber auch Leben in graue St\u00e4dte. 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